FIV ist kein Todesurteil!!!

Leider glauben immer noch viele, Katzen mit FIV seien permanent krank, verursachen dadurch hohe Tierarztrechnungen, seien gar zum frühen Tode verurteilt oder müssen sofort eingeschläfert werden.

An dieser Stelle sei das Wichtigste vorweggenommen: Eine Katze mit FIV kann bei guter Pflege und der Beachtung einiger Regeln viele Jahre glücklich mit dem Virus leben, ohne dass die Krankheit ausbricht und irgendwelche Symptome auftreten! Geben Sie ihr die Chance!

Was genau ist FIV?

Das Feline Immundefizienzvirus (FIV) kommt aus der Familie der Retroviren und ist bei Katzen quasi das, was beim Menschen HIV ist: eine Immunschwäche. Deshalb wird die FIV-Erkrankung häufig auch Katzen-Aids genannt. Eine Übertragung auf den Menschen ist jedoch trotz des vergleichbaren Krankheitsbildes nicht möglich, auch andere Tierarten können sich nicht mit FIV infizieren.

Das Virus zerstört die Immunabwehr, d. h. infizierte Katzen können über Jahre gesund, glücklich und unbeschwert mit dem Virus leben – krank werden sie erst dann, wenn die Abwehrschwäche ein gewisses Maß überschritten hat.

FIV selber zeigt keine Symptome. Es kann aber aufgrund der zunehmend geschwächten Immunabwehr zu sekundären Infektionen kommen. Harmlose Erreger können dann zu schweren Erkrankungen führen.

Gibt es eine Impfung?

Aufgrund der hohen Anzahl und Variationen der Virusstämme ist die Entwicklung einer wirksamen Impfung sehr schwierig. In den USA gibt es zwar bereits einen zugelassenen Impfstoff, doch die Ergebnisse überzeugen bislang nicht. Deshalb ist er in Deutschland auch nicht zugelassen – auch ist in absehbarer Zeit nicht auf eine FIV-Impfung in Deutschland zu hoffen.

Wie wird das Virus übertragen?

Eine Übertragung erfolgt durch den Speichel einer infizierten Katze. Dieser muss jedoch in die Blutbahn der noch nicht infizierten Katze gelangen, um zu einer Ansteckung zu führen. Gefährlich sind somit Bissverletzungen, z. B. im Rahmen von Revierkämpfen oder Deckungsakten. Doch auch nicht jeder Biss führt zwingend zu einer Ansteckung.

Eine Ansteckung über gemeinsame Futter- oder Wassernäpfe, Toiletten oder Schlafplätze, sowie durch gegenseitiges Putzen ist ausgeschlossen, da das Virus außerhalb des Körpers nicht überleben kann.

Eine weitere mögliche Übertragungsgefahr besteht jedoch bei Welpen im Mutterleib oder beim Säugen, aber auch hier muss nicht jeder Welpe einer FIV-positiven Mutter ebenfalls FIV positiv sein.

Wie kann man das Virus nachweisen?

Das Virus ist durch einen Bluttest bzw. durch Antikörper nachweisbar. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da es bei den Tests zu Fehlern kommen kann.

Die Antikörper werden erst im Verlauf der Infektion gebildet und sind in der Regel erst nach 14–90 Tagen (manchmal sogar erst nach einem Jahr) nachweisbar. Genauso wie im Frühstadium können auch im Spätstadium die Antikörper ggf. nicht mehr nachgewiesen werden, wenn der Körper der Katze zu sehr geschwächt ist, um noch Antikörper bilden zu können.

Katzenwelpen von FIV-positiven Müttern erhalten Antikörper über die Muttermilch, sodass sie ggf. positiv getestet werden könnten, ohne tatsächlich erkrankt zu sein.

Es empfiehlt sich immer(!) eine Nachtestung nach 8–12 Wochen (bei Welpen erst im Alter von 6 Monaten).

Bitte beachten Sie dabei: nur der Western-Blot-Test weist FIV relativ sicher nach – der häufig angewendete Schnelltest ist oft nicht zuverlässig!

Kann ich vorbeugen?

Ja! Die Kastration ist das A und O, denn gerade unkastrierte Freilaufkater liefern sich häufig Revierkämpfe und sind somit die häufigsten Opfer oder Überträger dieser Krankheit. Auch unkastrierte Kätzinnen sind durch den Deckungsakt stark gefährdet.

Meine Katze hat FIV – was nun?

Zu guter Letzt möchten wir hier noch einige Tipps aufführen, die auch einer FIV-positiven Katze zu einem langen und symptomfreien Leben verhelfen können:

  • Keinen Freigang, zum Schutz des eigenen Tieres und anderer Tiere
  • Impfungen mit dem Tierarzt besprechen. Evtl. reicht die Grundimmunisierung, denn jede Impfung ist Schwerstarbeit für das Immunsystem
  • Stress vermeiden
  • Hochwertiges Futter, Bewegung und Vermeidung von Übergewicht
  • Auf keinen Fall auf medizinische Therapien verzichten, weil das Immunsystem das vermeintlich „sowieso nicht schafft“. Es gibt einige Medikamente (z. B. Cortison), die bei FIV nach Möglichkeit zu vermeiden sind. Ist es jedoch die einzige Option auf Heilung der Erkrankung, sollte man diese nutzen. Geben Sie Ihrer Katze wenigstens die Chance.
  • Artgerechter Lebensraum mit vielen Kratz-und Klettermöglichkeiten
  • Gesicherter Balkon oder Freigehege für Frischluft

 

FIV-positive Katzen können sehr alt werden und sterben meistens an anderen Ursachen, die mit FIV gar nichts zu tun haben.

All diese Informationen stehen Ihnen zusätzlich als Merkblatt zum Download bereit:

 

 

4 Gedanken zu „FIV – Das Leben einer Katze mit Immunschwäche

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