Die ganz besonderen Hunde aus dem Ausland, sogenannte „Angsthunde“

Oft erwähnen wir in den Beschreibungen für unsere Hunde, dass unsere lieben Vierbeiner einen Menschen oder eine Familie suchen, die bereit sind, viel Geduld, Liebe und Zeit zu investieren.

Der Grund dafür ist simpel: Diese Hunde durften bisher kein schönes Leben führen, haben viele schlimme Erfahrungen gemacht und viel Negatives erlebt. Aber auch Hunde empfinden und entwickeln unter Umständen aufgrund ihrer schlechten Vergangenheit Angst.

Sie haben die Chance, einem unserer Hunde in Zukunft ein Leben ohne Angst zu schenken. Den ersten Schritt haben Sie bereits getan: Sie spielen mit dem Gedanken, einer Seele aus dem Ausland die Möglichkeit auf ein besseres Leben zu ermöglichen, obwohl Sie Ihr neues Familienmitglied noch gar nicht persönlich kennen.

Doch wie geht man eigentlich mit einem ängstlichen Hund um?

Der Hund verbindet negative Erfahrungen z. B. mit gewissen Geräuschen oder Situationen. Es braucht Zeit, ihm zu zeigen, dass er keine Angst mehr haben muss. Dieser Zeitraum ist von Hund zu Hund unterschiedlich lang, denn jeder Hund hat seinen eigenen Charakter und geht mit Ängsten unterschiedlich um. Genau wie wir Menschen.

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es gerade in der Anfangszeit nur sehr kleine Erfolge gibt. Nur wenn Sie an der Sache dranbleiben, können sich die Ängste nach und nach lösen.

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Hund die Zeit zur Eingewöhnung geben, die er benötigt. Es sind für ihn nicht nur eine neue Umgebung, sondern auch viele fremde Menschen, unbekannte Geräusche und Gerüche sowie weniger Rudelmitglieder. Ja, eigentlich ein komplett neues Leben. Er weiß noch gar nicht, wie lange er diesmal bleiben darf und kann gar nicht wissen, dass er endlich angekommen ist und sein Glück ausleben darf.

Woran erkenne ich denn überhaupt, dass mein Hund Angst hat?

Die wohl bekanntesten und sichtbarsten Merkmale sind:

  • Das Einziehen der Rute zwischen die Hinterläufe
  • das Anlegen der Ohren flach am Kopf
  • die geduckte Haltung, die in Flucht- oder in Angriffsverhalten übergehen kann
  • Hecheln und Zittern.

 

Nicht so offensichtlich dagegen sind:

  • Muskelanspannung und Erhöhung der Herzfrequenz
  • Gesteigertes Hör- und Sehvermögen sowie gesteigerte Aufmerksamkeit

 

Drohen eines „Angsthundes“:

  • Der gesamte Nasenrücken ist gerunzelt
  • Alle Zähne sind sichtbar, das Maul wird weit aufgerissen
  • Gebissklappern und angelegte Ohren
  • Vermeidung von Sichtkontakt
  • Gekrümmter Rücken mit eingezogener Rute
  • Abwehrstoßen oder Abwehrbeißen bei Unterschreitung der Sicherheitsdistanz möglich

 

Hier ein paar einfache, aber ganz wichtige Punkte, die Sie umsetzen sollten:

  • Richten Sie ihrem Hund Zuhause ein schönes Plätzchen ein. Vielleicht ein gemütliches Hundekissen, welches in einer ruhigen Ecke an der Wand platziert wird. So unterstützen Sie Ihren Hund bereits, indem er nur einen eingeschränkten Bereich hat, den er “kontrollieren muss”. Hat er einen guten Überblick über sein Reich, gibt ihm das schon etwas mehr Sicherheit.
  • Laden Sie am Anfang nicht sofort Besuch ein, sondern bleiben Sie lieber mit Ihrem Hund allein. Zu viel Trubel kann Ihren Neuankömmling schnell überfordern und könnte bereits schlechte Erinnerungen wecken.
  • Bleiben Sie immer in seiner Nähe und zeigen Sie ihm, dass Sie für ihn da sind. Reden Sie ganz normal mit ihm (mit freundlich-bestimmter Stimme), erzählen Sie z. B. von Ihrem Tag oder was Sie mit ihm in Zukunft noch geplant haben. Währenddessen können Sie Ihren Alltag Zuhause weiterführen, sodass Ihr Hund zwar merkt, hier passiert etwas, er aber trotzdem noch seinen Sicherheitsabstand einhalten kann, den er womöglich brauchen wird.
  • Auch wenn Sie glauben, er schläft, ist er in Wirklichkeit vielleicht sehr wachsam und verfolgt jedes Wort und jeden Schritt.
  • Sie können Ihrem Hund auch etwas vorlesen! So wird ihm Ihre Stimme nach und nach immer vertrauter und er gewöhnt sich an Sie.
  • Vermeiden Sie Konflikte, indem Sie sich besonders in der Anfangsphase seitlich zu Ihrem Hund stellen und den Blickkontakt vermeiden. Beugen Sie sich nicht über ihn und fassen Sie ihn nur an, wenn er es zulässt – bedrängen Sie ihn nicht. Lassen Sie den Hund den ersten Schritt auf Sie zu machen.
  • Ein Knurren bedeutet keinesfalls, dass das Tier aggressiv ist! Knurren ist in der Hundesprache ein ganz normaler Bestandteil und Ihr Hund kann sich nun mal nur mit seiner Sprache äußern. Vielleicht möchte er einfach nur signalisieren, dass seine Sicherheitsdistanz unterschritten wurde und ihn die Nähe verunsichert. Oder er hat Angst vor einer bestimmten Situation, weil diese negative Erinnerungen in ihm auslöst. Bitte maßregeln Sie ihn nicht, sondern geben Sie ihm Sicherheit und den Abstand, den er benötigt – oder entfernen Sie ihn aus der beängstigenden Situation.
  • Verfügen Sie über einen Garten, dann lassen Sie Ihren Hund am Anfang vorerst nur dort laufen – mit Leine!
  • Achten Sie unbedingt darauf, dass der Bereich ausbruchsicher ist. Denn die Tiere wissen ganz genau, wie sie entwischen können und werden jede Chance nutzen, der angstmachenden Situation zu entfliehen.
  • Gehen Sie außerhalb Ihres Gartens mit Ihrem Hund Gassi, dann nur mit kompletter Ausrüstung: Leine und Halsband, zusätzlich Sicherheitsgeschirr und Schleppleine. Die Leine wird dabei an Halsband und Sicherheitsgeschirr befestigt, sodass Ihr Hund doppelt gesichert ist. Denn es kann jeder Zeit ganz unerwartet passieren, dass ihm irgendetwas Angst macht und er wird alles versuchen, um auszubrechen und wegzulaufen.Gerne helfen wir Ihnen bei der richtigen Auswahl der Komplettausrüstung.
  • Wichtig ist es auch, dass Sie nur in ruhigen und reizarmen Gegenden mit ihm spazieren gehen. Bitte verzichten Sie auf einen Stadtbummel, wo es laut ist und viele Menschen seinen Weg kreuzen.

 

Geduld – Vertrauen – Zeit…

… sind das Wichtigste, das Sie einem ängstlichen Hund geben können. Vielleicht dauert es Monate bis Jahre, bis der Hund sich von seiner Angst lösen kann. In manchen Situationen verliert er sie vielleicht auch nie.

Aber ganz sicher haben Sie einen ganz besonderen Freund gewonnen, für den es sich lohnt, zu kämpfen und der Ihnen mit bedingungsloser Liebe sein Leben lang danken wird.