“Hallo Leute, ich darf euch heute mal meine Geschichte erzählen! Im Sommer 2017 hätte ich mir ja niemals träumen lassen, dass sich mein Leben einmal so ändern wird, ich einen Namen bekomme und „jemand“ sein sollte, zudem auch noch jemand Besonderes – Damals war ich einfach eins von vielen namenlosen Katzenbabys auf der Straße, die um ihr Überleben gekämpft haben. Warum ich allein war und was mit meiner Mama und meinen Geschwistern passiert ist, weiß ich nicht mehr. Ich war aber noch viel zu jung, um allein zurecht zu kommen, ich war schrecklich hungrig, außerdem tat mir alles furchtbar weh, vor allem meine Augen! Wie meine Welt um mich herum aussah, kann ich euch leider gar nicht sagen, ich kann mich nämlich nicht mehr daran erinnern, vielleicht habe ich sie auch nie gesehen! Aber schon damals kam Aufgeben für mich keinesfalls in Frage! Und ich kann euch sagen: es hat sich ausgezahlt, denn eines Tages fand mich meine Retterin Vania und hat mich sofort mitgenommen!

Ich war ihr so dankbar, ich kann das gar nicht beschreiben, denn ich weiß nicht, wie lange mein Überlebenskampf ohne sie noch gegangen wäre. Ich bekam ganz viel leckeres Essen und wurde gestreichelt und gewärmt, es war wunderschön! Ich bekam sogar einen Namen! Amira – die Prinzessin… Menschen sind manchmal schon komisch, geben einem Kater so einen Namen – aber mir war´s egal! Hauptsache ich hatte überhaupt einen Namen!

Leider waren meine Augen so schlimm zerstört von meiner Krankheit, dass ich in den nächsten Tagen mehrmals operiert werden musste. Das war so schlimm, dass sie mir die Augen sogar komplett herausoperieren mussten. Aber ich brauchte die Dinger ja eh nicht, sie haben nur wehgetan, sodass ich sogar froh war, als sie weg waren, denn endlich hatte ich mal keine Schmerzen mehr. Die anderen Katzen bei meiner Retterin allerdings meinten, ich sähe komisch aus, hatten Angst vor mir und machten mir deshalb in der ersten Zeit das Leben schwer. Ich suchte Freunde, aber niemand wollte so richtig mit mir spielen. Erst nach und nach wurde ich akzeptiert – dafür habe ich mich aber umso mehr an meine Retterin gebunden, sie war einfach toll und hat mich sehr verwöhnt! Mit der Zeit wuchsen nicht nur meine Beine, sondern auch noch das, was einen richtigen Kater ausmacht… und so haben es dann auch endlich mal die Menschen bemerkt und aus Amira wurde Amiro!

Im Oktober 2017 spürte ich, dass Vania mich nicht ewig behalten konnte. Sie hatte sich viele Gedanken gemacht und hätte mich am liebsten gar nicht hergegeben, aber bei ihr lebten schon so viele Katzen und so hat sie sich schweren Herzens von mir getrennt, um mir ein neues Leben in Deutschland zu ermöglichen. Die Fahrt dorthin war lang und schrecklich, wir saßen alle in einer kleinen Box und die meisten von uns hatten fürchterliche Angst. Nach vielen Stunden aber war ich dann in meinem neuen Zuhause… Dort warteten bereits vier Vierbeiner und zwei Zweibeiner auf mich. Die Zweibeiner habe ich sofort in mein Herz geschlossen, mit den Vierbeinern hatte ich jedoch anfänglich so meine Schwierigkeiten.

Mein neues Frauchen meinte, ich wäre nicht sozialisiert, da ich ja in meiner so wichtigen Baby- und Kinderzeit so krank und viel in der Tierklinik war. Außerdem hätte ich viel zu früh Mama und Geschwister verloren. Ja okay, ich bin manchmal grob, wenn ich spielen möchte und weiß nicht, wie ich es besser machen soll, aber mein neues Frauchen hat trotz viel Arbeit nicht aufgegeben und inzwischen habe ich glaub ich ganz gut begriffen, wie man miteinander umgeht. Es gibt zumindest nur noch selten richtig Streit. Inzwischen markiere ich auch nicht mehr die kompletten Wände… Nur im Wettbewerb, wer pieselt bis an die Decke des Katzenklos, bleibe ich hoffentlich noch lange konkurrenzlos. Ich liebe es, Momo zu jagen, mit Simba zu rangeln, Hope zu ärgern (sie kann so schön kreischen) und bei Julchen vergesse ich manchmal, dass ich ja eigentlich kastriert bin 😉Zurzeit lebt noch die gelähmte Mayra übergangsweise bei uns, die ist auch ganz cool und spielt manchmal mit mir.

Eins habe ich in meinem noch recht kurzen Leben aber auf jeden Fall gelernt und zu meinem Motto gemacht: GIB NIEMALS AUF! Egal bei was! Lass dich ruhig 100x beim Essen vom Tisch nehmen (beim 101. Mal schaffst du es vielleicht doch mit der Zunge in die Butter…), probier alles (sonst kannst du nie sagen, ob es schmeckt oder nicht), kletter so oft wie möglich am Katzennetz hoch (irgendwann findest du eine Lücke und kommst auf die andere Seite), lauf laut maunzend durch die Wohnung, wenn du Langeweile hast (bei entsprechender Ausdauer zieht dir vielleicht jemand das Geschirr an und geht mit dir nach draußen), fordere immer ein, was du haben willst!!! Sei der Chef, sei immer vorn dabei, sei ruhig aufdringlich und wenn jemand genervt ist, bezauber ihn mit einem zärtlichen Schnurren, massier ihn sanft mit deinen Vorderpfoten und kuschel mit vollem Körpereinsatz – dann kann dir garantiert niemand mehr böse sein!
Alles Liebe, euer Amiro”

Was Amiro so besonders macht? Ich habe noch nie einen so verhaltenskreativen, redseligen aufdringlichen, manchmal penetranten, alles fressenden (teils sogar veganen), mutigen und liebenswerten Lausbub mit Eisbärfell und Waschbärschwanz kennengelernt, der trotz Handicap so viel Lebensfreude und Energie versprüht und im Gegensatz dazu ein so absolut sanfter Schmuser und leidenschaftlicher Kuschler sein kann. Er liebt alle Menschen und alle Menschen lieben ihn, niemand kann ihm böse sein, wenn er mal wieder nur Schmarrn im Kopf hat, den Tisch abräumt, wichtige Unterlagen zerfetzt, den Milchschaum vom Kaffee klaut, die Wohnung markiert oder morgens um 3 Uhr laute Selbstgespräche führt.
Trotz seiner Blindheit hat er ein völliges Urvertrauen in sich selbst und in die Menschen – von ihm könnten sicher einige von uns noch viel lernen! (Sabine D. – Amiro´s Mama und 2. Vorsitzende des Vereins)